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Die Interviewreihe im A.B.S. Blog: Helmut Karrer trifft... Christopher Irion

Seit einem knappen halben Jahr hat die Corona-Krise die deutsche Wirtschaft nun im Griff. Das bringt Unsicherheiten ungeahnten Ausmaßes mit sich und mahnt Entscheider über Branchengrenzen hinweg zur Vorsicht. Das gilt auch für die Private-Equity-Industrie, zu deren Kernkompetenz grundsätzlich die Bewertung von Risiken gehört. Dennoch bezeichnet das Handelsblatt die Beteiligungsbranche als „frohlockenden Krisengewinner“, da geringe Wertschwankungen und zweistellige Renditen auch in Corona-Zeiten für eine hohe Attraktivität bei außerbörsliche Beteiligungen sorgten.

Um die Sicht eines Private-Equity Inverstors auf die aktuelle Lage zu erfahren, hat Helmut Karrer, Vorstand der A.B.S. Global Factoring AG, Christopher Irion, Investment Manager bei Callista Private Equity, eingeladen.

Die aktuelle Lage: Wie blicken Finanzinvestoren auf die Corona-Krise?

Helmut Karrer: Mit einem Blick auf ihr Portfolio: Hat Corona das Geschäft der Finanzinvestoren insgesamt verändert und welchen Einfluss übt die Pandemie auf Ihre M+A Transaktionen aus?

Christopher Irion: Unser Portfolio hat die Krise fürs Erste gut gemeistert. Natürlich gab es bei einigen Unternehmen Corona-bedingte Umsatzrückgänge auf die wir aber mit Kurzarbeit und anderen Maßnahmen gut reagieren konnten. Bei anderen Unternehmen wirkte sich Corona sogar positiv aus, da wir Anfragen von Neukunden bekommen haben, welche üblicherweise aus Asien beziehen und aufgrund der gerissenen Lieferketten nun alternative, europäische Lieferanten suchen. In diesem letzten Punkt sehe ich langfristig auch eine Chance für den Produktionsstandort Europa.

Einen Einfluss auf unsere M&A Transaktionen konnten wir bislang nur leicht feststellen. Projekte werden aufgrund von Corona manchmal pausiert, oftmals möchte der Verkäufer den Prozess aber auch beschleunigen, um das Zielunternehmen schneller zu verkaufen. Ebenso finden Meetings mit dem Management und den Verkäufern zunehmend per Videokonferenz statt. Ansonsten hatte und hat Corona wenig Einfluss auf unser tägliches M&A Geschäft und wir verfolgen die Transaktionen, die wir auch ohne Corona weiterverfolgt hätten.

 

Helmut Karrer: Wenn Sie auf die letzten Transaktionen zurückblicken: Welche Finanzmittel haben Sie zur Kaufpreisfinanzierung und zur EK-Finanzierung eingesetzt und hat sich hier durch Corona etwas verändert?

Christopher Irion: Die letzten Transaktionen haben wir überwiegend mit einem Mix aus Eigen- und Fremdkapital finanziert und anschließend alternative Finanzierungslösungen wie Sale and Lease-back oder Factoring eingesetzt, um die Finanzierung der Unternehmen sicherzustellen.

Durch Corona konnten wir vermehrt Restriktionen bei den Finanzierungspartnern feststellen, die zunehmend unsere Zielbranchen nicht mehr finanzieren wollen. Hier ist insbesondere die Automotive Industrie hervorzuheben, welche schon vor Corona keine einfache Ausgangslage hatte. Durch die Werksschließungen der großen OEMs und den damit einhergehenden Folgen für die Zulieferer wurde die Branche für Finanzierungspartner zunehmend als zu riskant angesehen. Einige unserer Finanzierungspartner haben uns aber verdeutlicht, dass eine Finanzierung trotz Corona kein Problem darstellt.

Die Bedeutung alternativer Finanzierungsinstrumente wie Factoring und Sale-&-Lease-Back

Helmut Karrer: Welche Bedeutung haben alternative Finanzierungsinstrumente für Ihre Transaktionen und welche Rolle spielen insbesondere Factoring und Sale and Lease-back-Verfahren?

Christopher Irion: Da wir auf die Akquisition von Unternehmen(-steilen) spezialisiert sind, welche eine unterdurchschnittliche Performance aufweisen oder aus einem Konzern herausgelöst werden müssen, verwenden wir gerne alternative Finanzierungsinstrumente wie Factoring oder SLB zur Innenfinanzierung der Unternehmen. Der Vorteil von diesen Finanzierungsinstrumenten ist, dass sie die Finanzierung nicht oder nur gering auf die Bonität des Unternehmens abstellen. Im Falle von SLB dient der Maschinenpark des Unternehmens als Sicherheit, hier kommt es also auf den Zustand und vor Allem die Drittverwertbarkeit an. Factoringunternehmen stellen auf die Bonität der Kunden ab, welche in den meisten Fällen besser ist, als die der Unternehmen, die wir erwerben.

Klassische Banken schauen sich die Bilanzen und Ergebnisse des Unternehmens der letzten Jahre an, welche bei unseren Zielunternehmen häufig nicht in das Raster der Banken passen. Bei Carve-out Situationen kann es zusätzlich vorkommen, dass das Zielunternehmen gar keine eigenen Abschlüsse vorweisen kann und somit für eine Bankenfinanzierung überhaupt nicht in Frage kommt.

 

Helmut Karrer: Das Handelsblatt schreibt von „vorgezogenen Weihnachten“ für die M+A-Branche. Wie bewerten Sie die Zukunftsaussichten?

Christopher Irion: Dieser Aussage kann ich für unsere Branche nur teilweise zustimmen. Ich glaube, dass viele Konzerne durch Corona vermehrt Aufmerksamkeit auf Ihre kriselnden Randaktivitäten setzen mussten und sich nun überlegen werden, ob man diese Einheiten nicht abstoßen sollte. Dadurch könnte sich ein erhöhter Deal Flow für uns ergeben. Andererseits kommen durch Corona auch viele Unternehmen auf den Markt, welche schon vorher in einer Krise waren und sich die Lage durch Corona noch verschlechtert hat. Solche Unternehmen haben einen enormen Kapitalbedarf, alleine um auf das Vor-Corona Niveau zurückzukommen und dann ist das Unternehmen immer noch nicht profitabel. Solche Transaktionen werden wir nicht weiterverfolgen, da das Chance-Risiko-Verhältnis unangemessen ist.

Ihr Tipp für KMU: Worauf kommt es wirklich an?

Helmut Karrer: Mit Blick auf den deutschen Mittelstand: Welchen Rat würden Sie Unternehmerinnen und Unternehmern aus Ihrer Sicht ans Herz legen?

Christopher Irion: Unternehmerinnen und Unternehmer sollten sich auf eine Geschäftswelt mit Corona einstellen und nicht nur hoffen, dass sich die Situation schnellstmöglich wieder normalisiert. Es gilt das gesamte Geschäftsmodell zu analysieren und auf die Krisenzeit anzupassen, denn keiner weiß, wie lange die Situation noch anhält oder ob wir noch einen zweiten Lockdown sehen werden. Die Unternehmen sollten durch geeignete Controlling-Instrumente verstehen, wo ihre Probleme liegen und entsprechend darauf reagieren.

Helmut Karrer: Vielen Dank für diese spannenden Informationen.

 

 

Zur Person

Christopher Irion, Investment Manager und seit über 5 Jahren für die Callista Private Equity tätig, ist verantwortlich für das Deal Sourcing, die Evaluation und die Strukturierung der Transaktionen von Callista.

Callista Private Equity ist spezialisiert auf die Akquisition und Weiterentwicklung von defizitären und in Sondersituationen befindlichen Unternehmen und Unternehmensteilen. Der Fokus liegt auf komplexen Carve-out Szenarien von industriellen Konzernrandaktivitäten mit einem Umsatz zwischen 10 Mio.€ und 200 Mio.€. Die Callista Gruppe umfasst derzeit 9 Portfoliounternehmen mit einem Gesamtumsatz von über 250 Mio.€.

www.callista-pe.de

 

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